Führung in der neuen Arbeitswelt: Vom Anweisen zum Ermöglichen
New Work und Agilität stehen und fallen mit der Führung.
Ob Sie als Privatperson Orientierung suchen oder als Unternehmen wachsen möchten – ich bringe wissenschaftliche Fundierung und menschliche Wärme in einem.
Die Begleitung hat mir geholfen, in einer schwierigen Phase wieder Klarheit zu finden. Empathisch, professionell und wirklich lösungsorientiert.
Der Positive Leadership Workshop hat mein Führungsverständnis grundlegend verändert. Wissenschaftlich fundiert und sofort in der Praxis anwendbar.
Selten findet man jemanden, der psychologisches Fachwissen so überzeugend mit unternehmerischer Erfahrung verbindet. Absolute Empfehlung.
Endlich fühlen wir uns als kleines Unternehmen auch arbeitsrechtlich gut beraten. Die HR-Sprechstunde gibt uns die Sicherheit, die wir vorher nicht hatten.
Ich arbeite nicht mit Schablonen. Jede Person, jedes Team, jede Organisation ist einzigartig – und verdient eine Begleitung, die das auch ernst nimmt.
Ich schaue nicht primär auf Defizite, sondern auf Stärken – und helfe, diese gezielt einzusetzen.
Als jemand, der selbst Führungsverantwortung getragen hat, spreche ich die Sprache meiner Klientinnen und Klienten.
Keine kurzfristigen Lösungen – ich begleite Veränderungen, die wirklich tragen und im Alltag ankommen.
Über 15 Jahre begleite ich Menschen und Organisationen in herausfordernden Situationen. Als psychosozialer Berater habe ich Menschen in psychischen Belastungen und Krisen unterstützt. Gleichzeitig trug ich als Führungskraft Verantwortung für Teams und alle HR-Agenden in einer großen Sozialorganisation. Diese gelebte Doppelperspektive ist bis heute das Herzstück meiner Arbeit.
Akademisch habe ich mich breit aufgestellt: Ich studierte Erziehungs- und Bildungswissenschaften an der KFU Graz, erwarb meinen Bachelor in Pädagogik und schloss anschließend den Master in Sozialpädagogik mit Schwerpunkt Erwachsenenbildung ab. Diese Ausbildung hat mein Verständnis von Menschen, Lernprozessen und sozialen Systemen nachhaltig geprägt.
Was folgte, war keine lineare Karriere – sondern eine gelebte Verbindung von Theorie und Praxis. Als psychosozialer Berater und Case Manager ÖGCC begleitete ich Menschen in den schwierigsten Phasen ihres Lebens. Parallel dazu übernahm ich als Führungskraft Verantwortung für Teams, HR-Prozesse und Organisationsentwicklung.
Diese Erfahrungen haben in mir den Wunsch geweckt, noch tiefer zu verstehen, wie Organisationen und Menschen wirklich funktionieren. So absolvierte ich den MSc in Arbeits- & Organisationspsychologie & HRM an der FH BFI Wien und ließ mich zusätzlich als PERMA-Lead® Coach zertifizieren.
Ich begleite sowohl Privatpersonen in persönlichen Herausforderungen als auch Unternehmen bei Leadership, Organisationsentwicklung, Supervision und HR-Sprechstunden – wissenschaftlich fundiert und praxisnah.
Professionelle Begleitung in persönlichen Krisen, Lebensphasen und beruflichen Herausforderungen – vertraulich, empathisch und auf Augenhöhe.
Erkennen, verstehen und verändern: Ich helfe Ihnen, Stressmuster zu durchbrechen und nachhaltige Resilienz aufzubauen.
Standortbestimmung, Stärkenanalyse und konkrete Planung für Ihren nächsten beruflichen Schritt.
PERMA-Lead® ist ein wissenschaftlich fundiertes Führungsmodell, das auf der Positiven Psychologie basiert – entwickelt vom Institut für Positive Leadership Wien. Es beschreibt, wie Führungskräfte durch ihr Verhalten das Wohlbefinden, die Motivation und die Leistungsfähigkeit ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nachhaltig stärken können.
Das Modell basiert auf fünf Dimensionen positiver Führung – Positive Emotions, Engagement, Relationships, Meaning und Accomplishment – die durch die Führungsperson aktiv gefördert werden. Als zertifizierter PERMA-Lead® Coach begleite ich Führungskräfte und Teams dabei, diese Prinzipien im Alltag erlebbar zu machen.
Von der Analyse bis zur nachhaltigen Umsetzung – ich begleite den gesamten Prozess.
Das wissenschaftlich validierte Instrument zur Messung der fünf PERMA-Dimensionen in Ihrer Organisation. Der Profiler macht den Ist-Zustand sichtbar – als Ausgangspunkt für gezielte Entwicklung.
Eine fundierte Analyse der Führungskultur, Teamdynamiken und organisationalen Stärken und Potenziale. Die Diagnose liefert ein klares Bild darüber, wo Ihr Unternehmen steht und wo gezielte Entwicklung ansetzt.
Ein strukturiertes Feedback aus mehreren Perspektiven – von Mitarbeitenden, Peers und Vorgesetzten. Das 360-Grad-Feedback gibt Führungskräften ein realistisches Bild ihrer Wirkung und zeigt konkrete Entwicklungsfelder auf.
Individuelles Coaching für Führungskräfte, die ihre Wirkung stärken, ihre Führungsrolle klären und PERMA-Prinzipien in ihren Alltag integrieren möchten.
Das 30-minütige, kostenlose Erstgespräch ist unverbindlich. Wir lernen uns kennen und klären gemeinsam, ob und wie ich Sie unterstützen kann – persönlich in Graz oder online.
Eine Sitzung kostet 110 € pro Stunde. Für Menschen in finanziell angespannten Situationen gibt es ein begrenztes Kontingent zu Sozialtarifen – sprechen Sie mich einfach darauf an. Eine Refundierung durch die Krankenkasse ist nicht möglich.
Ja. Als psychosozialer Berater unterliege ich der vollen Schweigepflicht. Alles, was Sie mir anvertrauen, bleibt vertraulich – das ist die Grundlage unserer Zusammenarbeit.
Nein. Psychosoziale Beratung erfordert keine ärztliche Überweisung. Sie können sich jederzeit direkt an mich wenden.
So kurz wie möglich, so lange wie nötig:
Beides funktioniert gut – Sie entscheiden was zu Ihnen passt. Persönliche Termine finden in Graz statt, Online-Beratung ist österreichweit möglich.
Meine Arbeit folgt einem systemischen Ansatz mit integrativen Bestandteilen. Das bedeutet: Ich schaue nicht nur auf das einzelne Problem, sondern auf den Menschen in seinem gesamten Umfeld – mit seinen Beziehungen, Rollen und Kontexten. Gleichzeitig beziehe ich je nach Situation unterschiedliche Methoden ein, weil kein Mensch in eine einzige Schublade passt.
Psychosoziale Beratung nach dem Lebens- und Sozialberatungsgesetz (GewO) ist keine Psychotherapie und ersetzt diese nicht. Sie richtet sich an Menschen in herausfordernden Lebenssituationen – sei es beruflicher Druck, persönliche Krisen, Orientierungslosigkeit oder der Wunsch nach Veränderung. Auch zur Prävention und zur Stärkung der mentalen Gesundheit ist psychosoziale Beratung ein wertvolles Angebot.
Menschen mit psychischen Erkrankungen können psychosoziale Beratung begleitend und unterstützend in Anspruch nehmen, sofern die Begleitung im Rahmen der psychosozialen Beratung bleibt. Bei Anzeichen auf behandlungsbedürftige psychische Erkrankungen verweise ich verantwortungsvoll an geeignete Fachkräfte wie ÄrztInnen, PsychotherapeutInnen oder Klinische PsychologInnen weiter. Ihre Gesundheit hat für mich immer oberste Priorität.
Nach einem unverbindlichen Erstgespräch erarbeiten wir gemeinsam Ziele und Format – ob Coaching, Workshop, Teamsupervision oder HR-Sprechstunde. Sie erhalten danach ein individuelles Angebot.
Unternehmensleistungen sind individuell – abhängig von Umfang, Teamgröße und Format. Nach dem Erstgespräch erhalten Sie ein transparentes, passgenaues Angebot.
Ja – Online-Beratung und digitale Workshops sind österreichweit möglich. Persönliche Termine finden bevorzugt in Graz und Umgebung statt.
Einzelne Workshops dauern einen Halb- oder Ganztag, Coaching-Prozesse laufen meist über mehrere Monate, HR-Sprechstunden sind monatlich buchbar.
In der Regel ist innerhalb einer Woche ein Termin möglich. Schreiben Sie mir – ich melde mich zeitnah zurück.
PERMA-Lead® ist ein wissenschaftlich fundiertes Führungsmodell der Positiven Psychologie – es zeigt, wie Führungskräfte durch ihr Verhalten Wohlbefinden, Motivation und Leistung im Team stärken. Mehr erfahren →
Ich freue mich auf Ihre Nachricht – ob für ein kostenloses Erstgespräch, eine Frage zu meinen Leistungen oder eine konkrete Anfrage. Ich melde mich so rasch wie möglich bei Ihnen.
Der Schutz Ihrer persönlichen Daten ist mir ein besonderes Anliegen. Ich verarbeite Ihre Daten ausschließlich auf Grundlage der gesetzlichen Bestimmungen (DSGVO, DSG, TKG 2021). In dieser Datenschutzerklärung informiere ich Sie über die wichtigsten Aspekte der Datenverarbeitung im Rahmen meiner Website.
Kostenloses Erstgespräch – unverbindlich, vertraulich, auf Augenhöhe.
Agiles Arbeiten verändert Führung grundlegend. Statt einer autoritären Top-down-Mentalität steht ein unterstützender, moderierender Führungsstil im Vordergrund: Die Führungskraft agiert als Supporter, der Teammitglieder in ihrer Arbeit unterstützt, ihre Potenziale fördert und sich selbst in den Hintergrund stellt (Zirkler, 2023).
Damit verschiebt sich auch das Entscheiden: Entscheidungen werden kleinteiliger, korrigierbarer, datenbasierter – und vermehrt an Teams übertragen, weil diese schneller und agiler entscheiden können. Die Führungskraft verliert dadurch nicht ihre Aufgabe, sie verändert sie: Sie muss die Rahmenbedingungen schaffen und aufrechterhalten, damit Entscheidungen überhaupt getroffen werden können (Ayberk et al., 2016). Wichtig dabei: Ein dezentralisierter Führungsansatz braucht klare Prozesse, sonst droht Überforderung der Mitarbeiter:innen (Zirkler, 2023).
Auch wenn in agilen Organisationen gerne von der Abschaffung von Hierarchien gesprochen wird – Macht lässt sich aus sozialen Beziehungen nicht eliminieren. Konzepte wie Scrum oder Holacracy verlagern Entscheidungsbefugnisse auf Rollen und Teams, doch die formale Machtstruktur bleibt oft erhalten, nur in abgewandelter Form. Es besteht sogar die Gefahr, dass informale Hierarchien entstehen, in denen wenige dominieren (Busch & Link, 2021).
Die Konsequenz: Führungskräfte sollten Macht nicht verdrängen, sondern sich – etwa in Coachings und Weiterbildungen – bewusst damit auseinandersetzen und sie transparent einsetzen (Haas & Kozica, 2023). Transparente Entscheidungsprozesse und regelmäßige Reflexion helfen, Oligarchisierungstendenzen entgegenzuwirken.
In Gesprächen mit Mitarbeiter:innen agiler Unternehmen wird der Führung ein hoher Stellenwert für die Umsetzung von New Work und agilen Arbeitsweisen zugewiesen. Unterstützende Führungskräfte werden als offen, vertrauensvoll, empathisch und wertschätzend wahrgenommen. Konkret heißt das:
Führung wird dann als positiv erlebt, wenn Mitarbeiter:innen das Gefühl haben, sich jederzeit ohne Angst vor Konsequenzen an ihre Führungskraft wenden zu können.
Die Kehrseite zeigt sich genauso deutlich. In Veränderungsprozessen fühlen sich Mitarbeiter:innen von ihren Führungskräften oft allein gelassen. Häufige Kritikpunkte:
Ein besonders wichtiger Punkt: Fehlendes Feedback wird als „Blindflug" erlebt. Ohne Rückmeldung ist Weiterentwicklung kaum möglich – selbst wenn das Vertrauensverhältnis grundsätzlich stimmt.
Gute Führung in der neuen Arbeitswelt basiert weniger auf Fachwissen als auf Empathie, guter Kommunikation und echtem Interesse an den Menschen. Konkrete Ansatzpunkte:
Führung verschwindet in der neuen Arbeitswelt nicht – sie wird anspruchsvoller. Wer Teams Selbstorganisation ermöglicht, ohne sie zu begleiten, lässt sie allein. Wer Vertrauen schenkt, ohne hinzuschauen, verwechselt Delegation mit Desinteresse. Der Unterschied zwischen unterstützender und hinderlicher Führung entscheidet maßgeblich darüber, ob New Work und Agilität gelingen.
Um über Stress im Arbeitskontext sinnvoll zu sprechen, hilft eine klassische Unterscheidung (Weinert, 1998, zit. n. Kirchler & Hölzl, 2011):
Dazu passt das transaktionale Stressmodell von Lazarus und Folkman (1984): Stress entsteht, wenn eine Person die Anforderungen einer Situation als größer einschätzt als ihre verfügbaren Ressourcen. Ob moderne Arbeitswelten als Chance oder Belastung erlebt werden, hängt also maßgeblich von der individuellen Bewertung und den Bewältigungsfähigkeiten ab.
Smartphones, Kollaborationstools und ständige Erreichbarkeit ermöglichen Mobilität – erzeugen aber oft ein Gefühl permanenter Verfügbarkeit. Die Folgen: Kopf- und Rückenschmerzen, Erschöpfung, sinkende Arbeitszufriedenheit und ein Verschwimmen der Grenzen zwischen Beruf und Privatleben (Lanzl et al., 2018, 2022).
Der spannende Befund der Forschung: Nicht der Digitalisierungsgrad an sich verursacht Stress, sondern das Missverhältnis zwischen den Anforderungen der Technologien und den Fähigkeiten der Mitarbeiter:innen. Besonders betroffen sind stark digitalisierte Branchen, Führungskräfte und Frauen – und überraschenderweise auch die technikaffine Gruppe der 25- bis 34-Jährigen.
Das Job Demands-Resources-Modell (Demerouti et al., 2001) bringt es auf den Punkt: Burnout entsteht, wenn hohe Anforderungen („Job Demands" wie Arbeitslast, Zeitdruck, emotionale Anforderungen) auf zu wenige Ressourcen („Job Resources" wie Unterstützung durch Vorgesetzte, Autonomie, Feedback) treffen.
Für Unternehmen heißt das: Belastungen reduzieren und gleichzeitig unterstützende Strukturen aufbauen. Beides gehört zusammen.
Die Antwort ist differenzierter, als die Debatte oft vermuten lässt. Eine Metaanalyse mit Daten von über 90.000 Teilnehmenden zeigt: Zeitliche und räumliche Flexibilität führt zu weniger Krankheitsausfällen (Shifrin & Michel, 2022).
Auch Gespräche mit Mitarbeiter:innen agiler Unternehmen zeichnen ein überwiegend positives Bild: Agile Arbeitsweisen und New-Work-Ansätze wirken mehrheitlich entlastend. Die Möglichkeit, Arbeitszeit und -ort selbst zu bestimmen, reduziert Stress im Alltag; digitale Tools wie Kanban-Boards helfen, den Überblick zu behalten. Stress entsteht vor allem dort, wo Mitarbeiter:innen weniger technikaffin sind, keine ausreichende Einführung in die Tools erhalten oder Veränderungen ohne Begleitung bewältigen müssen.
Die ADP-Studie „People at Work 2022" zeigt, welche Maßnahmen Unternehmen bereits einsetzen (Richardson & Antonello, 2022): intensivere Kommunikation und regelmäßige Check-ins, zusätzliche Wohlfühltage, Angebote zur Stressreduktion wie Ruheräume oder Meditationskurse, Zugang zu professioneller psychologischer Beratung, Teambuilding – und zunehmend ein „Recht auf Nichterreichbarkeit" außerhalb der Arbeitszeiten.
Zur Prävention von digitalem Stress empfiehlt die Forschung außerdem gezielte Programme zur Förderung digitaler Kompetenzen, zuverlässige Technologien und organisatorische Unterstützung, damit Anforderungen und Fähigkeiten im Gleichgewicht bleiben (Lanzl et al., 2018).
Flexibilität ist per se weder gesund noch krankmachend – es kommt auf die Passung an. Wer Mitarbeiter:innen neue Freiheiten gibt, muss sie auch befähigen, damit umzugehen: durch Einschulung, klare Erwartungen, verlässliche Erreichbarkeitsregeln und Führungskräfte, die hinschauen. Genau hier liegt der Hebel für gesunde neue Arbeit.
Psychologische Sicherheit beschreibt das Vertrauen innerhalb eines Teams, dass man ohne Angst vor negativen Konsequenzen Ideen äußern, Fragen stellen oder Fehler zugeben kann. Geprägt hat den Begriff die Harvard-Professorin Amy Edmondson (1999): Es geht um die Zuversicht, dass das Team niemanden bloßstellt, zurückweist oder bestraft, der sich zu Wort meldet.
Fehlt dieses Gefühl, halten sich Mitarbeiter:innen zurück – und genau das beeinträchtigt Effizienz und Weiterentwicklung eines Teams erheblich. Ist psychologische Sicherheit dagegen vorhanden, steigen nachweislich Leistung und Zufriedenheit. Sie entsteht durch unterstützende Führungskräfte, positive Beziehungen im Team und eine offene Unternehmenskultur. Besonders bei kreativen oder komplexen Aufgaben ermöglicht sie es Teams, mutiger zu handeln und innovative Lösungen zu finden (Biemann & Weckmüller, 2021).
In technisch geprägten Bereichen wie der Softwareentwicklung ist eine „fehlerfreundliche" Kultur inzwischen verbreitet. Schwieriger bleibt der Umgang mit Fehlern in sozialen Beziehungen: Dort gelten Fehler oft noch als gefährlich, ihr Eingeständnis als riskant. Ortmann (2015) zeigt, dass diese Haltung weniger ein individuelles Problem ist, sondern Ausdruck organisationaler Mechanismen – des Strebens nach Effizienz und der Abwälzung von Verantwortung. Er nennt eine adäquate Fehlerkultur deshalb treffend eine „paradoxale Anforderung": Organisationen brauchen sie, um Neues zu wagen – gleichzeitig widerspricht Fehlertoleranz ihren etablierten Normen und Routinen.
Der Fehlerkultur Report 2023 macht die Barrieren konkret sichtbar: eingefahrene Gewohnheiten, Angst vor Gesichtsverlust und die Sorge vor beruflichen Nachteilen bis hin zum Jobverlust. Interessant dabei: Unternehmen mit mehr New-Work-Praktiken zeigen eine signifikant bessere Fehlerkultur, höhere Offenheit und Innovationsfähigkeit (Seckler & Fischer, 2023).
Eine gelebte Fehlerkultur entwickelt sich in drei Schritten (Brockmann, 2024):
Feedback kann die Arbeitsleistung steigern – oder mindern. Entscheidend ist die Formulierung: Rückmeldungen, die sich auf die Aufgabe oder deren Ausführung beziehen, wirken meist positiv. Richten sie sich dagegen auf die Person selbst, können positive Effekte ausbleiben und sogar negative psychische Folgen entstehen (Kirchler & Walenta, 2011).
Für die Praxis heißt das:
Gespräche mit Mitarbeiter:innen agiler Unternehmen zeigen sehr anschaulich, wie sich gelebte psychologische Sicherheit anfühlt: als Vertrauensvorschuss, mit dem man wachsen, Fehler machen und daraus lernen darf. Führung wird dann als positiv erlebt, wenn man sich jederzeit ohne Angst vor Konsequenzen an die Führungskraft wenden kann – wenn „Platz für Fehler" ist.
Psychologische Sicherheit ist kein Wohlfühlthema, sondern ein messbarer Leistungsfaktor. Sie lässt sich nicht verordnen, aber gezielt aufbauen: durch Führungskräfte, die eigene Fehler eingestehen, durch aufgabenbezogenes statt personenbezogenes Feedback und durch Strukturen, die offenes Sprechen belohnen statt bestrafen.
Von Scheinagilität spricht man, wenn Unternehmen agile Praktiken einführen, ohne die bestehenden Strukturen und Prozesse anzupassen. Das Ergebnis: Alte Machtstrukturen tauchen in neuem Gewand wieder auf – und der potenzielle Nutzen agiler Arbeitsweisen verpufft (Dömer, 2023; Busch & Link, 2021).
Typische Erkennungszeichen:
Solche Projekte schaden doppelt: Sie liefern nicht die Vorteile echter Agilität – und sie beschädigen den Ruf agilen Arbeitens im Unternehmen (Preußig, 2024).
Echte agile Unternehmen schaffen eine ganzheitliche Umsetzung, die mit einem Kulturwandel einhergeht. Zentrale Elemente sind selbstorganisierte Teams, kontinuierliches Feedback, iterative Arbeitsprozesse und eine konsequente Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kund:innen (Dömer, 2023). Ein echtes agiles Projekt beschreibt klar, welchen Nutzen es stiftet, und liefert in kleinen Schritten Ergebnisse, auf die Kund:innen flexibel Einfluss nehmen können (Preußig, 2024).
Die größten Hindernisse auf dem Weg dorthin sind laut der Studie „Status Quo (Scaled) Agile" übrigens nicht die Mitarbeiter:innen, sondern interne Prozesse und das Top-Management (Komus, 2020).
Eine Studie an vier Teams einer Schweizer Bank zeigt: Ein Growth Mindset ist eine wichtige Voraussetzung für echte Agilität (Dujmovic-Bracak & Harder, 2022). Der Unterschied nach Carol Dweck:
Das Spannende: Das Mindset ist stark vom Arbeitsumfeld abhängig. Viele traditionelle Strukturen sind schlicht ungeeignet, um ein Growth Mindset zu fördern. Agilität wird gefordert, aber die Bedingungen dafür fehlen.
Aus der Forschung lassen sich drei Handlungsfelder ableiten (Dujmovic-Bracak & Harder, 2022; Dömer, 2023):
Mensch und Kommunikation: Arbeitskontexte schaffen, die ein Growth Mindset begünstigen – Führungskräfte gehen dabei mit gutem Beispiel voran. Der Arbeitsplatz wird auch als Lernumgebung verstanden.
Struktur: Klare, aber flexible Strukturen mit echten Entscheidungsfreiräumen etablieren. Langwierige Entscheidungsprozesse reduzieren und Führungsebenen kritisch hinterfragen.
Arbeitsroutine: Vernetzung über Teamgrenzen hinweg fördern, um Silos aufzubrechen. Fach- und Führungskompetenz trennen – Führung richtet sich auf Anpassungsfähigkeit und Teamförderung aus.
Begleitend braucht es Schulungen, Workshops und offene Kommunikation, um ein gemeinsames Verständnis von Agilität zu verankern.
Gespräche mit Mitarbeiter:innen agiler Unternehmen machen deutlich: Methoden und Tools werden zwar über Schulungen eingeführt – was oft fehlt, ist die längerfristige Begleitung bei der Umsetzung. Genau diese Lücke begünstigt die Wahrnehmung von Oberflächlichkeit. Dazu kommen Widerstände in der Belegschaft, besonders bei Mitarbeiter:innen, die an gewohnten Strukturen festhalten. Und: In wirtschaftlichen Krisenzeiten greifen Unternehmen schnell wieder auf traditionelle Arbeitsweisen zurück.
Agilität entsteht nicht durch das Umbenennen von Meetings. Sie braucht einen echten Kulturwandel, Zeit, Geduld – und eine fortlaufende Begleitung der Menschen, die sie leben sollen. Wer nur die Methoden einführt, ohne Struktur, Führung und Mindset mitzudenken, produziert Frustration statt Flexibilität.
New Work ist keine Erfindung der Digitalisierung. Der Sozialphilosoph Frithjof Bergmann entwickelte das Konzept bereits in den 1980er Jahren – als Antwort auf die wachsende Arbeitslosigkeit durch Automatisierung bei General Motors. Seine Grundidee: Arbeit soll Menschen unterstützen, nicht unterdrücken. Sie soll Autonomie, Sinn und Selbstverwirklichung ermöglichen.
Bergmanns „Dreiklang der Arbeit" umfasst:
Bergmann ging es dabei nicht um betriebliche Optimierung, sondern um eine gesellschaftliche Vision: echte Wahlfreiheit, weniger Konsum und eine Begrenzung der klassischen Lohnarbeit (Bergmann, 2005; Väth, 2016).
Vom ursprünglichen Ansatz ist in der heutigen Praxis wenig übrig geblieben. „New Work" wird inzwischen als Sammelbegriff für die vielen Veränderungen der Arbeitswelt verwendet – Digitalisierung, flexible Arbeitsformen, agile Methoden (Schermuly, 2019). Das deutsche Institut für angewandte Arbeitswissenschaft bringt es auf eine kompakte Formel: New Work ist ein Sammelbegriff für Konzepte und Maßnahmen zur Gestaltung zukunftsfähiger, wertschöpfender und sinnstiftender Arbeit (Niehues & Stowasser, 2023).
Das New Work-Barometer 2023 zeigt, wie Beschäftigte den Begriff tatsächlich verstehen: 63 Prozent verbinden New Work vor allem mit Arbeitszeit- und Arbeitsortautonomie – also Homeoffice, mobiles Arbeiten, Gleitzeit. Bergmanns ursprüngliches Verständnis wird kaum noch genannt (Schermuly & Meifert, 2023).
Wer New Work ernst nimmt, kommt am Konzept des psychologischen Empowerments nicht vorbei. Gretchen Spreitzer (2008) unterscheidet zwei Ebenen:
Strukturelles Empowerment schafft die Rahmenbedingungen – flache Hierarchien, Zugang zu Ressourcen, Mitbestimmung. Genau hier setzen die meisten New-Work-Initiativen an: Scrum, Kanban, teilautonome Teams.
Psychologisches Empowerment beschreibt dagegen, was Mitarbeiter:innen tatsächlich erleben müssen, damit sie sich selbstbestimmt und wirksam fühlen:
Der entscheidende Punkt: Alle vier Zustände müssen gemeinsam vorhanden sein. Und: Strukturen allein reichen nicht. Viele New-Work-Maßnahmen scheitern, weil sie ausschließlich an den Unternehmensstrukturen ansetzen, während die Bedürfnisse und Erfahrungen der Mitarbeiter:innen unberücksichtigt bleiben (Schermuly, 2019).
Die New Work Charta von humanfy (Väth, 2019) formuliert fünf Leitprinzipien für Unternehmen:
New Work ist kein Selbstzweck und keine Ansammlung von Benefits. Ein Kickertisch macht noch keine neue Arbeitskultur. Und: New Work bringt nicht für alle Berufsgruppen dieselben Vorteile. In standortgebundenen Blue-Collar-Berufen wie Bau oder Produktion bleibt oft unklar, wie sich die Ansätze überhaupt umsetzen lassen (Marti & Robin, 2023). Auch soziale Ungleichheiten spielen eine Rolle: Wer über Bildung, finanzielle Ressourcen und Gesundheit verfügt, kann sich leichter an neue Anforderungen anpassen (Schmucker, 2021).
New Work ist mehr als Homeoffice und flexible Arbeitszeiten. Im Kern geht es darum, Arbeit so zu gestalten, dass Menschen sie als sinnvoll, selbstbestimmt und wirksam erleben. Das gelingt nicht durch einzelne Maßnahmen, sondern durch ein Zusammenspiel von Struktur und Kultur – und durch den ehrlichen Blick darauf, was Mitarbeiter:innen tatsächlich brauchen.